Mineralfutter für Pferde: Worauf es wirklich ankommt
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Mineralfutter gehört zu den Themen, bei denen Pferdebesitzer schnell verunsichert sind. Die Auswahl im Reitsporthandel ist riesig, die Werbeversprechen sind groß, und am Ende läuft die Frage immer wieder auf dasselbe hinaus: Brauche ich überhaupt Mineralfutter – und wenn ja, welches?
Die kurze Antwort: ja, fast immer. Heu und Gras allein decken den Bedarf an Mineralstoffen und Spurenelementen bei den meisten Pferden in Deutschland nicht ausreichend. Aber nicht jedes Mineralfutter ist gleich. In diesem Ratgeber findest du, was Mineralstoffe im Pferdekörper leisten, warum die Grundfütterung allein meistens nicht reicht, worauf du bei der Auswahl achten solltest – und welche typischen Fehler du vermeiden kannst.
Warum Mineralstoffe so wichtig sind
Mineralstoffe und Spurenelemente sind an praktisch jedem Stoffwechselprozess im Pferdekörper beteiligt:
- Knochen und Zähne – Calcium, Phosphor, Magnesium
- Muskelfunktion – Magnesium, Kalium, Natrium
- Nervensystem – alle Mengenelemente
- Immunsystem – Zink, Selen, Kupfer
- Haut, Fell und Hufe – Zink, Kupfer, Schwefel
- Bluthaushalt – Eisen, Kupfer
- Hormonelle Steuerung – Jod, Selen, Zink
Ein Mangel wirkt sich selten akut aus, sondern schleichend: stumpfes Fell, brüchige Hufe, häufige Infekte, Leistungsabfall, schlechte Wundheilung, Muskelprobleme. Genau diese Symptome werden oft als „unklare Befindlichkeit“ abgetan – dabei sind sie in vielen Fällen Mineralmangel.
Mengenelemente, Spurenelemente, Vitamine – was gehört rein?
Mineralfutter ist nicht gleich Mineralfutter. Ein vollwertiges Produkt deckt mehrere Nährstoffgruppen ab:
Mengenelemente
In größeren Mengen benötigt:
- Calcium und Phosphor – das Verhältnis ist entscheidender als die Menge. Ideal liegt es bei 1,5:1 bis 2:1 (Calcium zu Phosphor). Heu liefert meist genügend Calcium, Phosphor kann knapp sein.
- Magnesium – zentral für Muskeln und Nerven. Pferde unter Stress oder mit Muskelproblemen profitieren oft spürbar.
- Natrium – wird über Salzlecksteine grundsätzlich gedeckt, sollte aber zusätzlich überwacht werden.
- Kalium – in Heu reichlich vorhanden, sehr selten ein Engpass.
Spurenelemente
In kleinen Mengen, aber mit großer Wirkung:
- Zink – in deutschen Heuböden strukturell knapp. Wichtig für Haut, Fell, Hufe, Immunsystem. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum Zinkmangel.
- Kupfer – essenziell für Bindegewebe, Fellpigmentierung, Blutbildung. Das Verhältnis Zink : Kupfer sollte zwischen 3:1 und 5:1 liegen.
- Selen – zentral für Muskelschutz und Schilddrüse. In Mitteleuropa häufig im Mangel – aber Vorsicht, der Sicherheitsbereich ist schmal.
- Mangan – für Knorpel, Gelenke, Fruchtbarkeit. Meist ausreichend im Heu, kann aber in Konkurrenz zu Zink stehen.
- Eisen – fast nie zu wenig, in deutschem Trinkwasser und Heu meist reichlich. Überversorgung kann sogar die Aufnahme anderer Spurenelemente bremsen.
- Jod – für die Schilddrüse. In bestimmten Regionen knapp, in anderen überversorgt – hier kommt es auf das gesamte Versorgungsprofil an.
Vitamine
Ein gutes Mineralfutter enthält zudem die wichtigsten Vitamine:
- Vitamin E – das wichtigste Antioxidans, in Heu deutlich weniger als in Gras. Vor allem im Winter und bei sportlicher Belastung relevant.
- Vitamin A und D – für Sehkraft, Haut, Knochen, Immunsystem.
- B-Vitamine – werden größtenteils im Darm gebildet, können bei gestörter Verdauung knapp werden.
Warum Heu und Gras allein meistens nicht reichen
Theoretisch sollten Pferde durch Raufutter und Weidegang ihren Mineralbedarf decken. Praktisch ist das in Deutschland aus mehreren Gründen selten der Fall:
1. Verarmte Böden
Jahrzehntelange landwirtschaftliche Nutzung hat den Mineralstoffgehalt vieler Böden reduziert – vor allem an Zink, Kupfer und Selen. Was im Boden nicht da ist, landet auch nicht im Heu.
2. Heu ist nicht gleich Heu
Der Mineralstoffgehalt hängt stark vom Schnittzeitpunkt, vom Standort, vom Wetter und von der Lagerung ab. Spät geschnittenes, faseriges Heu (das viele Pferdehalter aus Sorge vor Zucker bevorzugen) hat oft niedrigere Nährstoffwerte. Ohne Heu-Analyse kennt niemand den tatsächlichen Gehalt seines Futters.
3. Lagerung kostet Vitamine
Vor allem Vitamin E verliert sich während der Heulagerung dramatisch. Pferde, die im Winter überwiegend Heu fressen, haben in der zweiten Jahreshälfte oft deutlich schlechtere Vitamin-E-Werte als im Sommer auf der Weide.
4. Konkurrenz im Darm
Selbst wenn theoretisch genug Spurenelemente im Futter sind, können ungünstige Verhältnisse die Aufnahme blockieren. Klassiker: zu viel Eisen im Wasser blockiert die Zink-Aufnahme. Zu viel Calcium kann die Magnesium-Verwertung stören.
5. Erhöhter Bedarf in vielen Lebensphasen
Tragende Stuten, Fohlen, Jungpferde, Sportpferde, Senioren, Pferde im Fellwechsel – in all diesen Phasen liegt der Bedarf deutlich über dem Grundbedarf. Der „Durchschnittsbedarf“ eines ruhig stehenden Freizeitpferdes ist eher die Ausnahme als die Regel.
Worauf du bei einem guten Mineralfutter achten solltest
Bioverfügbarkeit der Spurenelemente
Spurenelemente können in unterschiedlichen chemischen Formen vorliegen:
- Anorganische Verbindungen (z. B. Zinkoxid, Kupfersulfat) – günstig, aber schlechter aufnehmbar
- Organische Verbindungen / Chelate (z. B. Zink-Glycinat) – deutlich besser bioverfügbar, schonender für den Darm
Hochwertige Produkte setzen entweder ganz auf organische Verbindungen oder kombinieren sie sinnvoll mit anorganischen.
Stimmige Verhältnisse
Wichtiger als hohe Einzelmengen sind die richtigen Verhältnisse. Calcium zu Phosphor, Zink zu Kupfer, Selen im sicheren Bereich. Ein Mineralfutter, das nur in einem einzigen Wert „Rekordwerte“ hat, ist meist kein gutes Mineralfutter.
Keine unnötigen Zusatzstoffe
Viele Standard-Mineralfutter sind mit Industriezucker, Melasse oder Aromen versetzt, um den Geschmack zu verbessern. Für den Pferdedarm ist das eine zusätzliche Belastung – vor allem bei stoffwechselsensiblen Pferden, EMS-Kandidaten oder Pferden mit Magenproblemen. Ein gutes Mineralfutter kommt ohne diese Zusätze aus.
Sinnvolle Tagesdosis
Achte auf die empfohlene Tagesmenge im Verhältnis zum Inhaltsverzeichnis. Manche Hersteller füllen das Produkt mit großen Mengen Trägerstoff, sodass das Pferd 100–150 g am Tag bekommen müsste, um auf die nötigen Mengen zu kommen. Hochkonzentrierte Mineralfutter reichen oft mit deutlich weniger.
Transparente Deklaration
Ein gutes Produkt zeigt klar, welche Verbindungen drin sind und in welcher Menge. „Mit Vitaminen und Spurenelementen“ als einziger Hinweis reicht nicht.
Wikra Mineral – hochwertige Mineralversorgung
Unser Wikra Mineral wurde als Mineralfutter für alle Pferderassen entwickelt – mit einer breiten Versorgung aus Spurenelementen, Vitaminen und hochwertigen Nährstoffen. Besonders reich an Vitamin E und Zink, mit Spirulina als natürlicher Quelle und einem hohen Anteil an essentiellen Aminosäuren (u. a. Lysin und Threonin). Sehr geringer Zuckeranteil, getreidefrei, melassefrei, industriezuckerfrei und frei von Konservierungsmitteln und chemischen Zusätzen.
Mit Tierärzten und Experten entwickelt, in Deutschland produziert und plastikfrei in Papiertüten verpackt. Wikra Mineral ist die solide Basis-Versorgung für Pferde, die gesund bleiben sollen – vom Freizeitpferd bis zum Senior. Bei spezifischen Themen (Sommerekzem, Hufprobleme, Muskelaufbau, Verdauung) kann es sinnvoll mit gezielten Ergänzungsfuttern wie Wikra Zink, Wikra Muskel oder Wikra ForSure kombiniert werden.
Wann und wie viel Mineralfutter geben?
Mineralfutter ist kein Saisonprodukt, sondern gehört zur täglichen Grundversorgung – das ganze Jahr durch. Die Tagesmenge hängt vom Produkt ab, in der Regel zwischen 40 und 80 g für ein Pferd von 500–600 kg.
Erhöhter Bedarf in folgenden Phasen:
- Fellwechsel (Februar/März und September/Oktober)
- Tragende oder säugende Stuten
- Jungpferde im Wachstum
- Sportpferde in Trainings- und Turnierphasen
- Senioren mit nachlassender Verdauungsleistung
- Pferde in Rekonvaleszenz nach Krankheit oder Verletzung
In diesen Phasen kann es sinnvoll sein, zusätzlich zur Grundversorgung gezielte Ergänzungsfutter zu geben.
Typische Fehler bei der Mineralversorgung
Zu wenig oder gar nichts
Der häufigste Fehler: aus Kostengründen oder Unsicherheit gar nichts geben. Bei Heuversorgung allein reicht es bei den meisten Pferden in Deutschland nicht.
Zu viel von allem
Das andere Extrem: drei verschiedene Präparate gleichzeitig, ohne die Mengen aufeinander abzustimmen. Vor allem Selen, Jod und Vitamin A können bei Überversorgung problematisch werden.
Saison-Stopp im Winter
Viele Pferdehalter geben Mineralfutter nur im Sommer oder im Fellwechsel. Dabei ist gerade im Winter, wenn das Pferd ausschließlich Heu frisst, der Bedarf deutlich höher.
Falscher Salzleckstein als Mineralfutter
Ein Salzleckstein deckt Natrium. Mineralstoffe und Spurenelemente sind nur in geringen Spuren enthalten und reichen nicht annähernd für die Tagesversorgung.
Mineralfutter direkt zur Wurmkur oder zu Antibiotika
Direkt nach Wurmkur oder Antibiotika ist die Darmflora reduziert – die Verwertung von Mineralfutter ist in dieser Zeit eingeschränkt. In den ersten Tagen nach so einer Behandlung kann es sinnvoll sein, mit darmberuhigenden Präparaten zu starten und erst danach wieder die Mineralisierung hochzufahren.
Häufige Fragen
Brauchen Pferde wirklich jeden Tag Mineralfutter?
Für die meisten Pferde in Deutschland: ja. Die Versorgung aus Heu und Weide allein reicht nur in Ausnahmefällen, vor allem nicht im Winter. Eine kontinuierliche, moderate Gabe ist sinnvoller als hochdosierte Kur-Phasen.
Wie erkenne ich, ob mein Pferd Mineralfutter braucht?
An klassischen Symptomen wie stumpfem Fell, brüchigen Hufen, häufigen Infekten, schlechter Wundheilung oder verzögertem Fellwechsel. Aber: Bei den meisten Pferden ist eine Grundversorgung sinnvoll, bevor solche Symptome auftreten – als Vorbeugung.
Reicht ein Salzleckstein nicht aus?
Nein. Salzlecksteine decken Natrium und Chlorid, alles andere muss zusätzlich gegeben werden.
Kann ich Mineralfutter überdosieren?
Bei normaler Dosierung nach Herstellerangabe nicht. Problematisch wird es, wenn mehrere Produkte parallel gegeben werden, ohne die Mengen aufzurechnen – besonders bei Selen, Jod, Vitamin A und Vitamin D.
Was ist besser – Pulver, Pellets oder Liquid?
Funktional gleichwertig. Pellets werden meist besser gefressen, Pulver lässt sich individueller dosieren und untermischen, Liquid ist praktisch für wählerische Pferde. Wichtiger ist die Qualität der Inhaltsstoffe.
Brauchen ältere Pferde anderes Mineralfutter?
Senioren haben oft eine reduzierte Verdauungsleistung und einen erhöhten Bedarf an bestimmten Spurenelementen (vor allem Zink und Vitamin E). Ein gut bioverfügbares Mineralfutter ist hier besonders wichtig.
Fazit
Mineralfutter ist kein Luxus-Add-on, sondern ein zentraler Baustein einer gesunden Pferdefütterung in Deutschland. Heu allein reicht in den meisten Fällen nicht – vor allem bei Zink, Kupfer, Selen und Vitamin E. Achte bei der Auswahl auf hohe Bioverfügbarkeit, stimmige Verhältnisse, keine unnötigen Zucker- oder Aromazusätze und eine transparente Deklaration. Eine kontinuierliche, moderate tägliche Gabe schlägt jede hochdosierte Kur. Bei spezifischen Beschwerden lohnt sich ergänzend ein gezieltes Spezialprodukt zusätzlich zur Basisversorgung.